Das Planungsbüro ATP architekten ingenieure hat für Škoda Auto ein Bürogebäude entworfen, das den Namen der beiden Unternehmensgründer trägt: den Laurin & Klement Kampus. Das Projekt im tschechischen Mladá Boleslav verbindet Corporate Architecture mit städtebaulicher Neuordnung am Stammsitz des Automobilherstellers.

Campus als Signal für Konzernwandel

Der Laurin & Klement Kampus ist nach den Škoda-Gründern Václav Laurin und Václav Klement benannt, die 1895 mit der Fahrradproduktion begannen. Die Namenswahl deutet auf eine bewusste Rückbesinnung auf die Unternehmensgeschichte hin, während Škoda Auto gleichzeitig seine Transformation vom traditionellen Automobilhersteller zum Elektromobilitäts-Anbieter vorantreibt. Bürogebäude dieser Größenordnung dienen häufig als physisches Manifest einer strategischen Neuausrichtung – sie schaffen Raum für neue Organisationsformen, interdisziplinäre Teams und agile Arbeitsmethoden.

ATP architekten ingenieure, ein Büro mit Hauptsitz in Wien und weiteren Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz und Südosteuropa, hat sich in den vergangenen Jahren als Spezialist für integrierte Planung im Gewerbe- und Bürobau positioniert. Das Unternehmen plant nicht nur architektonisch, sondern übernimmt als Generalplaner auch die Koordination aller technischen Gewerke – ein Modell, das bei komplexen Campusprojekten mit hohen haustechnischen Anforderungen Vorteile bei Termintreue und Schnittstellenmanagement bietet.

Städtebauliche Einbettung in Mladá Boleslav

Der Standort Mladá Boleslav ist seit über einem Jahrhundert das Zentrum der Škoda-Produktion. Auf dem weitläufigen Werksgelände entstehen nicht nur Fahrzeuge, sondern auch zunehmend Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Der Laurin & Klement Kampus fügt sich in diese Struktur ein und könnte künftig als Headquarter für zentrale Unternehmensfunktionen dienen, die bislang über verschiedene Gebäude verteilt waren.

Bei der Fassade des Bürogebäudes ist davon auszugehen, dass ATP moderne Materialien und Konstruktionsprinzipien einsetzt, die den Anforderungen an Energieeffizienz und Tageslichtversorgung gerecht werden. Typische Elemente zeitgenössischer Büroarchitektur sind großflächige Verglasungen, die Transparenz und Kommunikation fördern, kombiniert mit vorgehängten Sonnenschutzsystemen oder Lamellen zur Reduktion solarer Lasten. Projekte dieser Größenordnung werden üblicherweise nach Standards wie LEED oder DGNB zertifiziert, um Nachhaltigkeitsanforderungen von Konzernseite und potenziellen Investoren zu erfüllen.

Architektonische Strategie und Raumkonzept

Moderne Bürogebäude für Automobilhersteller unterscheiden sich zunehmend von klassischen Verwaltungsbauten. Sie integrieren Showrooms, Innovationslabs, Kollaborationsflächen und flexible Arbeitsplatzkonzepte. Der Grundriss solcher Gebäude orientiert sich an den Prinzipien des Activity Based Working: Mitarbeiter wählen je nach Tätigkeit zwischen Einzelarbeitsplätzen, Teambereichen, Rückzugsräumen und informellen Treffpunkten.

Ein zentrales Gestaltungsmerkmal könnte ein Atrium oder Lichthof sein, der natürliche Belichtung in die Tiefe des Baukörpers bringt und gleichzeitig als kommunikativer Mittelpunkt fungiert. Solche Räume erhöhen nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern reduzieren auch den Energiebedarf für Kunstlicht und können bei entsprechender Planung zur natürlichen Belüftung beitragen.

ATP architekten ingenieure: Generalplanung als Wettbewerbsvorteil

ATP verfolgt ein integriertes Planungsmodell, bei dem Architektur, Tragwerksplanung, Gebäudetechnik und Bauphysik unter einem Dach koordiniert werden. Dieses Modell ist besonders bei internationalen Auftraggebern gefragt, die Wert auf klare Verantwortlichkeiten und kurze Abstimmungswege legen. Im Vergleich zu klassischen Architekturbüros, die Fachplaner extern beauftragen, kann ATP Schnittstellenverluste minimieren und Building Information Modeling (BIM) durchgängig einsetzen.

Für Škoda Auto bedeutet das: schnellere Planungszyklen, präzisere Kostenkontrolle und höhere Sicherheit bei der Einhaltung funktionaler Anforderungen. Gerade in der Automobilindustrie, wo Produktzyklen immer kürzer werden, ist die Geschwindigkeit bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten ein strategischer Faktor.

Corporate Architecture als Markenträger

Der Laurin & Klement Kampus dürfte nicht nur funktionale, sondern auch symbolische Aufgaben erfüllen. Automobilhersteller nutzen ihre Hauptquartiere und Campusbauten zunehmend als Markenbotschafter. Besucher, Partner und Medien nehmen die Architektur als Ausdruck der Unternehmenskultur wahr. Ein modernes, lichtdurchflutetes Gebäude mit nachhaltigen Materialien und flexiblen Raumstrukturen transportiert Botschaften wie Innovation, Transparenz und Zukunftsorientierung – Werte, die Škoda im Zuge der Elektrifizierung seiner Modellpalette betonen möchte.

Vergleichbare Projekte wie der VW-Campus in Wolfsburg oder der Mercedes-Benz-Campus in Stuttgart zeigen, dass solche Bauten weit über die reine Bürofunktion hinausgehen. Sie werden zu Destinationen für Kunden-Events, Produktpräsentationen und Medienbesuche. Die Architektur wird Teil der Markeninszenierung.

Marktumfeld und Wettbewerb

Im Segment der Gewerbe- und Bürobauten für internationale Konzerne konkurriert ATP mit Büros wie Henn Architekten, Behnisch oder HPP. Entscheidend für den Zuschlag sind neben der gestalterischen Qualität vor allem Erfahrung in der Abwicklung von Großprojekten, Referenzen bei vergleichbaren Auftraggebern und die Fähigkeit, komplexe Anforderungsprofile – von Sicherheitsstandards über IT-Infrastruktur bis zu Repräsentationsansprüchen – in einem Entwurf zu bündeln.

ATP hat in den vergangenen Jahren mehrere Projekte für Industrieunternehmen realisiert und sich dabei als zuverlässiger Partner bei der Umsetzung anspruchsvoller Nutzungskonzepte etabliert. Die Zusammenarbeit mit Škoda Auto könnte weitere Aufträge in der Automobilbranche nach sich ziehen, da Hersteller häufig Planungsbüros bevorzugen, die bereits Erfahrung mit branchenspezifischen Anforderungen mitbringen.

Ausblick: Corporate Campus als Trend

Der Laurin & Klement Kampus reiht sich in eine Serie von Campus-Projekten ein, mit denen Automobilhersteller auf veränderte Arbeitsformen und Marktanforderungen reagieren. Die Konzentration von Funktionen auf einem integrierten Campus fördert Synergien, verkürzt Wege und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Design und Management. Für Planer wie ATP architekten ingenieure bedeutet das wachsende Auftragsvolumen in einem Segment, das hohe Margen und internationale Sichtbarkeit bietet.

Ob der Laurin & Klement Kampus als Referenz für weitere Projekte dienen wird, hängt von der Umsetzungsqualität und der Akzeptanz durch die Nutzer ab. Bürogebäude, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch im Alltag funktionieren, werden zu Aushängeschildern für Planer und Bauherr gleichermaßen.

Quellen