Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verlangt in Ausschreibungen für Bauprojekte der zivilen Bundesverwaltung zunehmend BIM-Modelle. Auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ziehen nach. Wer künftig öffentliche Aufträge im Schweizer Bundesbau gewinnen will, muss digitale Planungsmethoden beherrschen. Für kleine und mittlere Architekturbüros bedeutet das: Investitionen in Software, Schulungen und Prozesse – oder der Verzicht auf lukrative Projekte.
2'700 Objekte im Portfolio: BBL als zentrale Immobilien-Instanz
Das BBL verantwortet als Immobilien-Kompetenzzentrum für die zivile Bundesverwaltung über 2'700 Objekte im In- und Ausland. Dazu zählen Verwaltungs-, Regierungs- und Gerichtsgebäude, Zollanlagen, Schweizer Botschaften weltweit, Forschungsanstalten sowie Bauten für Sport, Kunst und Kultur. Das BBL sorgt dafür, dass alle 43'000 Mitarbeitenden des Bundes ihre Arbeit erledigen können, und setzt dabei neue Standards für die Nachhaltigkeit.
Die Behörde ist zuständig für die nachhaltige Entwicklung, Bewirtschaftung und den Unterhalt des Immobilienbestands der Bundesverwaltung. Zugleich fungiert das BBL als zentrale Beschaffungsstelle und stellt die Versorgung der Bundesverwaltung mit logistischen Gütern sicher. Diese Doppelrolle – Bauherr und Beschaffungsexperte – macht das BBL zu einem Treiber digitaler Planungsmethoden im Schweizer Hochbau.
BIM-Pflicht in Ausschreibungen: Was ändert sich konkret?
Wer ein Bundesgebäude planen will, muss künftig BIM-Modelle liefern. Das BBL verlangt in Ausschreibungen digitale Gebäudemodelle, die nicht nur Geometrie, sondern auch Attribute wie Materialkennwerte, Wartungsintervalle und Energiebedarfe enthalten. Die SBB folgen diesem Ansatz bei ihren Infrastrukturprojekten. Beide Auftraggeber nutzen BIM, um Planungskonflikte frühzeitig zu erkennen, Kostenüberschreitungen zu vermeiden und den späteren Gebäudebetrieb zu vereinfachen.
Für Planungsbüros bedeutet das: Klassische CAD-Zeichnungen reichen nicht mehr aus. Stattdessen müssen sie Workflows für modellbasierte Zusammenarbeit etablieren. Das erfordert Software wie Autodesk Revit oder Allplan von der Nemetschek Group (nemetschek.com), Schulungen für Mitarbeitende und oft auch neue Rechner mit höherer Rechenleistung.
Investitionsdruck für kleine Büros
Besonders kleinere Schweizer Büros stehen vor der Frage: Investieren oder auf Bundesaufträge verzichten? Die Anschaffung einer BIM-Lizenz kostet je nach Software zwischen 2'000 und 5'000 Franken pro Arbeitsplatz und Jahr. Hinzu kommen Schulungskosten und die Zeit, um neue Arbeitsweisen einzuführen. Wer diese Hürde nicht nimmt, riskiert, bei Ausschreibungen des BBL oder der SBB nicht mehr berücksichtigt zu werden.
Größere Büros und international agierende Planungsgesellschaften wie Implenia (implenia.com) haben diese Transformation längst vollzogen. Sie setzen BIM nicht nur für öffentliche Auftraggeber ein, sondern auch für private Großprojekte. Für sie ist die BIM-Pflicht des BBL eine Bestätigung ihrer Strategie. Für viele kleinere Büros dagegen ist sie eine Marktbarriere.
Warum das BBL auf BIM setzt
Das BBL verfolgt mit der BIM-Pflicht mehrere Ziele. Erstens will es Planungsfehler reduzieren, die bei Bauprojekten der öffentlichen Hand oft zu Bauzeitverlängerungen und Kostensteigerungen führen. Zweitens soll BIM den späteren Gebäudebetrieb erleichtern: Wartungsintervalle, Ersatzteilnummern und technische Dokumentation liegen dann digital vor und können direkt in Facility-Management-Systeme übernommen werden.
Drittens unterstützt BIM die Nachhaltigkeitsziele des Bundes. Digitale Gebäudemodelle ermöglichen es, bereits in der Planung Materialkennwerte zu hinterlegen und so den CO₂-Fußabdruck von Tragwerk, Fassade und Innenausbau zu berechnen. Das erleichtert die Erfüllung von Vorgaben aus dem Gebäudeprogramm des Bundes und den kantonalen Energievorschriften.
Folgen für den Schweizer Architekturmarkt
Die BIM-Pflicht des BBL und der SBB beschleunigt die Digitalisierung der Schweizer Baubranche. Büros, die frühzeitig in digitale Planungsmethoden investiert haben, profitieren. Andere müssen nachrüsten oder sich auf Projekte ohne BIM-Anforderung konzentrieren – etwa kleinere Wohnbauten oder Sanierungen im Bestand, wo klassische 2D-Planung noch verbreitet ist.
Branchenverbände wie der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) bieten mittlerweile Schulungen und Zertifikate für BIM-Koordinatoren an. Auch private Anbieter unterstützen den Einstieg in die BIM-Visualisierung und modellbasierte Zusammenarbeit. Die Nachfrage nach diesen Angeboten steigt seit der Ankündigung des BBL kontinuierlich.
Ob die BIM-Pflicht zu einer Marktkonzentration führt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Wer öffentliche Aufträge im Bundesbau gewinnen will, muss digitale Planungsmethoden beherrschen. Das BBL hat mit seiner Vorgabe einen Standard gesetzt, dem andere öffentliche Bauherren in der Schweiz voraussichtlich folgen werden.
Für die Praxis bedeutet das: Büros sollten den BIM-Einstieg nicht länger aufschieben. Die Alternative ist der Verzicht auf ein wachsendes Segment des Schweizer Baumarkts. Das BBL zeigt, dass die Frage nicht mehr lautet, ob BIM zur Norm wird – sondern nur noch, wie schnell sich Planungsbüros darauf einstellen.