Die Berner Fachhochschule (BFH) hat ihr Weiterbildungsportfolio im Fachbereich Architektur, Holz und Bau überarbeitet. Die Aktualisierung reagiert auf den anhaltenden Fachkräftemangel im Bausektor und den wachsenden Bedarf an Expertise im nachhaltigen Bauen. Für Planer, Ingenieure und Architekten entstehen damit neue Qualifizierungswege in einem Markt, der zunehmend unter Personaldruck steht.
Weiterbildung als Antwort auf Personalmangel
Der Schweizer Bausektor kämpft seit Jahren mit einem strukturellen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Tragwerke, Fassaden und Gebäudetechnik – nicht zuletzt durch verschärfte Energievorgaben und Nachhaltigkeitsziele. Die BFH positioniert sich mit der Portfolio-Erweiterung als Weiterbildungspartner für Berufstätige, die sich ohne Studienunterbrechung weiterqualifizieren wollen.
Die Hochschule setzt dabei auf berufsbegleitende Formate, die sich in den Arbeitsalltag von Planungsbüros und Bauunternehmen integrieren lassen. Das Angebot richtet sich an Architekten, Bauingenieure, Holzbau-Spezialisten und Projektleiter, die ihre Kompetenzen in spezifischen Bereichen vertiefen müssen. Besonders gefragt sind Themen wie Nachhaltigkeit, digitale Planungsmethoden und energieeffiziente Konstruktionen.
Strategische Schwerpunkte im Portfolio
Die BFH hat in den vergangenen Monaten mehrere Initiativen gestartet, die das Weiterbildungsangebot mit der praktischen Lehre verzahnen. Bereits im Frühjahr 2026 hatte die Hochschule ihre Auslandskontakte für Architektur- und Baustudium ausgebaut und damit die internationale Vernetzung der Studierenden gestärkt. Im selben Zeitraum prüfte die BFH außerdem ihr Studium Architektur und Holzbau auf Praxistauglichkeit – ein Signal, dass die Hochschule die Nähe zur Baupraxis systematisch verfolgt.
Die Angebotsstruktur deutet auf eine klare Schwerpunktsetzung hin: Neben klassischen Baukonstruktionen und Holzbau rücken BIM & Digital-Themen in den Vordergrund. Softwarehersteller wie Autodesk und die Nemetschek Group treiben die Digitalisierung der Planungsprozesse voran – Weiterbildungsanbieter müssen darauf reagieren, um Absolventen beschäftigungsfähig zu halten.
Nachhaltigkeitsthemen im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen Baumaterialien und kreislauforientierten Konstruktionen. Die Schweiz hat mit dem Gebäudeprogramm CH ein etabliertes Fördersystem für die energetische Sanierung von Gebäudehüllen. Für Planer bedeutet das: Wer Aufträge im sanierten Bestand akquirieren will, braucht fundierte Kenntnisse in Dämmtechnik, Wärmebrückenminimierung und Materialökologie.
Auch die MuKEn 2014/2026 setzen klare Energievorgaben für den Neubau. Architekten und Ingenieure müssen diese Normen in der täglichen Planungsarbeit umsetzen – ein Bereich, in dem strukturierte Weiterbildung Planungsfehler und Nachbesserungen vermeiden hilft.
Materialhersteller wie Holcim und Saint-Gobain entwickeln parallel neue Produktlinien für CO₂-reduzierten Beton und recyclingfähige Dämmstoffe. Diese Innovationen erfordern Planungswissen, das in der Grundausbildung oft noch fehlt. Weiterbildungsinstitute schließen diese Lücke – und sichern sich zugleich einen wachsenden Markt.
Berufsbegleitende Formate als Erfolgsfaktor
Die BFH setzt auf modulare, berufsbegleitende Weiterbildungen, die sich mit Projektarbeit kombinieren lassen. Für kleine und mittlere Architekturbüros, die keine längeren Ausfallzeiten verkraften können, ist das ein entscheidendes Kriterium. Auch größere Bauunternehmen wie Implenia oder Eberhard Bau Schweiz profitieren von Formaten, die Mitarbeiter ohne Projektverzögerung weiterqualifizieren.
Die Portfolio-Aktualisierung zeigt außerdem, dass Hochschulen verstärkt in Konkurrenz zu privaten Weiterbildungsanbietern treten. Während Software-Hersteller wie Allplan Nemetschek eigene Zertifizierungsprogramme für BIM-Anwender entwickeln, positionieren sich Fachhochschulen als breitere Qualifizierungspartner mit interdisziplinärem Ansatz.
Marktentwicklung und Wettbewerbsdynamik
Der Schweizer Weiterbildungsmarkt im Baubereich wächst kontinuierlich. Neben der BFH bieten weitere Hochschulen, Kammern und private Akademien Programme an – die Angebotsvielfalt macht es für Planungsbüros schwierig, den Überblick zu behalten. Entscheidend für die Auswahl sind Praxisnähe, Abschlusszertifikate mit Marktakzeptanz und die Möglichkeit, Credits für spätere Masterstudiengänge anzurechnen.
Die BFH hat in den vergangenen Jahren ihre Verbindungen zur Bauindustrie systematisch ausgebaut. Das zeigt sich nicht nur in Kooperationen mit Unternehmen, sondern auch in der Ausrichtung der Lehrinhalte. Themen wie BIM-Einstieg im kleinen Architekturbüro oder energieeffiziente Sanierung von Bestandsgebäuden adressieren konkrete Praxisprobleme, mit denen Planer täglich konfrontiert sind.
Ausblick: Weiterbildung als strategisches Instrument
Für die Baubranche wird Weiterbildung zunehmend zum strategischen Instrument im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Während der Nachwuchs knapp bleibt, lassen sich vorhandene Mitarbeiter durch gezielte Qualifizierung breiter einsetzen. Die BFH reagiert mit ihrem erweiterten Portfolio auf diese Marktrealität – und positioniert sich als Brücke zwischen akademischer Bildung und betrieblicher Praxis.
Ob die Angebotsausweitung auch zu höheren Teilnehmerzahlen führt, wird sich in den kommenden Semestern zeigen. Entscheidend dürfte sein, wie gut es der Hochschule gelingt, die Bedürfnisse von Planungsbüros und Bauunternehmen in konkrete Lehrmodule zu übersetzen – und wie flexibel sie auf neue Anforderungen aus Normung, Förderpolitik und Technologieentwicklung reagiert.