Die Berner Fachhochschule (BFH) betreibt im Bereich Architektur, Holz und Bau eine dezidiert anwendungsorientierte Forschung. Anders als universitäre Institute fokussiert die BFH auf Projekte, die direkt in die Praxis von Planungsbüros, Bauunternehmen und Holzverarbeitern einfließen sollen. Doch welche konkreten Vorhaben stehen dahinter, und wie profitieren Fachleute der Baubranche davon?

Anwendungsforschung statt Grundlagenforschung

Fachhochschulen in der Schweiz haben einen klaren Auftrag: Sie sollen Forschung betreiben, die unmittelbar in Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen mündet. Die BFH setzt diesen Anspruch in ihrem Departement Architektur, Holz und Bau um, indem sie eng mit KMU, Industriepartnern und öffentlichen Auftraggebern kooperiert. Typische Forschungsformate sind Auftragsforschung, Innovationsprojekte in Konsortien sowie die Entwicklung von Prototypen und Planungswerkzeugen.

Im Unterschied zu universitären Lehrstühlen, die oft theoretische Grundlagen erarbeiten, konzentriert sich die BFH auf Fragen wie: Wie lassen sich Fassaden aus Holz so konstruieren, dass sie über 50 Jahre dauerhaft bleiben? Welche digitalen Planungsmethoden reduzieren Fehlerquoten im Tragwerk? Wie können bestehende Gebäude wirtschaftlich auf Nullenergiestandard saniert werden?

Forschungsfelder: Holzbau, Digitalisierung, Nachhaltigkeit

Die Forschung an der BFH gliedert sich in mehrere Schwerpunkte. Der Bereich Holzbau umfasst Projekte zur Materialentwicklung, zur Dauerhaftigkeit von Holzwerkstoffen im Außeneinsatz und zur Optimierung von vorgefertigten Holzbaumodulen. Hier arbeitet die BFH eng mit Schweizer Holzverarbeitern zusammen, die etwa neue Verbindungstechniken oder Brandschutzbeschichtungen testen wollen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Planung. Die BFH entwickelt BIM-basierte Workflows, die speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Planungsbüros zugeschnitten sind. Dabei geht es weniger um hochkomplexe Großprojekte als um praxistaugliche Lösungen für den regionalen Wohn- und Gewerbebau. Solche Projekte sind für Büros relevant, die einen BIM-Einstieg im kleinen Architekturbüro suchen, aber keine Ressourcen für monatelange Schulungen haben.

Im Themenfeld Nachhaltigkeit forscht die BFH an der Kreislaufwirtschaft im Hochbau, etwa an rückbaubaren Konstruktionen und Materialkreisläufen. Konkret bedeutet das: Wie müssen Verbindungen gestaltet sein, damit Bauelemente nach 30 Jahren Nutzung sortenrein demontiert und wiederverwendet werden können? Solche Fragen gewinnen im Kontext verschärfter Energiestandards – etwa der MuKEn 2014/2026 in der Schweiz – an Bedeutung.

Wer profitiert konkret von den Projekten?

Die Zielgruppe der BFH-Forschung sind primär Schweizer KMU aus Planung, Holzbau und ausführenden Gewerken. Viele Projekte werden über die Innosuisse, die schweizerische Agentur für Innovationsförderung, finanziert und setzen voraus, dass mindestens ein Industriepartner beteiligt ist. Das garantiert, dass Ergebnisse nicht in Schubladen verschwinden, sondern tatsächlich in Produkte oder Dienstleistungen einfließen.

Ein Beispiel: Entwickelt die BFH eine neue Methode zur Bewertung der Feuchtebeständigkeit von Holzfassaden, kann ein Hersteller daraus ein zertifiziertes Fassadenmodul entwickeln, das dann auf dem Markt angeboten wird. Planungsbüros wiederum profitieren von Leitfäden, Software-Erweiterungen oder Berechnungstools, die aus der Forschung hervorgehen und oft kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus bietet die BFH Dienstleistungen an, die direkt aus der Forschung abgeleitet sind: Materialprüfungen, Bauteilanalysen, Simulationen zur Raumakustik oder energetische Beratung. Unternehmen können so von der Infrastruktur der Hochschule profitieren, ohne selbst ein Labor aufbauen zu müssen.

Integration in die Lehre: Studierende als Teil der Forschung

Ein weiteres Merkmal der BFH-Forschung ist die enge Verzahnung mit der Lehre. Bachelorstudierende der Studiengänge Architektur und Holztechnik bearbeiten in Projektarbeiten und Abschlussthesen oft Fragestellungen aus laufenden Forschungsprojekten. Das hat zwei Vorteile: Die Forschung erhält zusätzliche personelle Ressourcen, und die Studierenden lernen an realen, praxisrelevanten Aufgaben.

Für die Baubranche bedeutet das, dass Absolventinnen und Absolventen der BFH bereits mit Methoden und Werkzeugen vertraut sind, die in aktuellen Forschungsprojekten entwickelt wurden. Ein Architekturbüro, das einen BFH-Absolventen einstellt, erhält somit nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Erfahrung mit den neuesten Planungs- und Konstruktionstechniken. Die BFH hat diese Praxisorientierung in einer kürzlich durchgeführten Überprüfung des Studiums Architektur und Holzbau erneut betont.

Vernetzung und Transfer: Über die Region hinaus

Die BFH kooperiert nicht nur mit Schweizer Partnern, sondern ist auch international vernetzt. Sie beteiligt sich an EU-Forschungsprogrammen und unterhält Kontakte zu Fachhochschulen und technischen Universitäten in Deutschland, Österreich und darüber hinaus. Diese Vernetzung ermöglicht den Transfer von Forschungsergebnissen über Ländergrenzen hinweg und sorgt dafür, dass Schweizer KMU Zugang zu internationalen Entwicklungen erhalten.

Zugleich baut die BFH ihre Auslandskontakte im Bereich Studium aus, wie ein jüngst publizierter Bericht zeigt. Austauschprogramme und gemeinsame Forschungsprojekte mit Partnerhochschulen stärken nicht nur die Ausbildung, sondern auch den Wissenstransfer in beide Richtungen.

Herausforderungen: Finanzierung und Zeitdruck

Anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen steht vor spezifischen Herausforderungen. Projekte müssen meist innerhalb von zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein, was eine schnelle Umsetzung erfordert. Zudem ist die Finanzierung oft projektbasiert, was langfristige Forschungslinien erschwert. Die BFH muss sich in einem kompetitiven Umfeld behaupten, in dem nicht nur andere Hochschulen, sondern auch private Forschungsinstitute und Ingenieurbüros um Fördermittel konkurrieren.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer von BFH-Forschung profitieren will, sollte frühzeitig Kontakt aufnehmen und klare Projektideen mitbringen. Die Hochschule ist offen für Kooperationen, benötigt aber Partner, die bereit sind, in gemeinsame Entwicklungen zu investieren – sei es finanziell oder durch Know-how und Infrastruktur.

Fazit: Praxisnutzen als Maßstab

Die Forschung der BFH Architektur, Holz und Bau ist konsequent auf die Bedürfnisse der Baupraxis ausgerichtet. Anders als universitäre Institute fokussiert sie auf rasche Umsetzbarkeit, KMU-Tauglichkeit und direkte Anwendung. Planungsbüros, Holzbauer und Baustoffhersteller finden hier einen Partner, der technische Fragestellungen wissenschaftlich fundiert, aber pragmatisch angeht. Wer den Anschluss an aktuelle Entwicklungen in Holzbau, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit halten will, sollte die Forschungsaktivitäten und Dienstleistungen der BFH im Blick behalten.

Quellen