Zaha Hadid Architects erweitert sein Produktportfolio um die 'Aeris Collection', eine Designlinie aus Naturstein für den italienischen Spezialisten Citco. Die im April 2026 vorgestellte Kollektion umfasst Möbel und Objekte, die das für ZHA typische organische Formenspiel in dreidimensionale Steinskulpturen übersetzen. Der Move markiert die Fortsetzung einer Strategie, mit der das Büro sein Markenkapital außerhalb klassischer Architekturaufträge monetarisiert.

Die Kooperation mit Citco reiht sich ein in eine Serie von Produktdesign-Projekten, die ZHA in den vergangenen Jahren mit Herstellern aus dem Innenarchitektur- und Luxussegment realisiert hat. Anders als bei Industriepartnern wie Vitra oder Vitra, die auf serielle Fertigung setzen, fokussiert die Aeris Collection auf hochpreisige Unikate und Kleinserien aus italienischem Marmor und Granit. Jedes Stück wird in Handarbeit gefertigt – ein Ansatz, der die Positionierung im Premium-Markt unterstreicht, aber Fragen zur Skalierbarkeit aufwirft.

Für Architekten und Planer dürfte die Kollektion vor allem als Referenz für materialintensive Fassaden-Details oder repräsentative Innenräume relevant sein. Die Formsprache – fluide Geometrien, die sich aus der digitalen Entwurfsmethodik des Büros ableiten – lässt sich auf größere Maßstäbe übertragen, etwa bei der Gestaltung von Empfangsbereichen in Gewerbe- und Bürobauten oder öffentlichen Projekten. Ob sich solche Übersetzungen in reale Bauvorhaben niederschlagen, bleibt abzuwarten.

Die Diversifikation von Zaha Hadid Architects in Richtung Produktdesign und Luxusgüter hat ökonomische Logik: Während Großprojekte lange Vorlaufzeiten und hohe Risiken bergen, generieren Lizenzverträge und Designkooperationen kontinuierliche Einnahmen. Gleichzeitig entsteht die Gefahr einer Markenverwässerung, wenn das Büro als Lifestyle-Brand wahrgenommen wird statt als Planungsdienstleister für komplexe Bauaufgaben. Für Wettbewerber wie Foster + Partners oder BIG, die ähnliche Strategien verfolgen, ist die Gratwanderung zwischen Baukultur und Konsumgüter längst Alltag.

Die Aeris Collection adressiert primär den internationalen Sammlermarkt und Interior-Designer im High-End-Segment. Für die Baubranche bleibt der direkte Nutzen begrenzt – es sei denn, Natursteinhersteller erkennen darin Impulse für neue Fertigungstechniken oder Oberflächenbearbeitungen. Die Frage, ob solche Projekte das Kerngeschäft von ZHA stärken oder davon ablenken, wird sich erst mittelfristig beantworten lassen. Bis dahin bleibt die Kollektion vor allem eins: ein weiteres Kapitel in der Kommerzialisierung von Stararchitektur.

Quellen