Vitra-Wettbewerber Haworth erneuert sein Sortiment an Schreibtischen und Tischen für den europäischen Markt. Der Büromöbelhersteller aus den USA reagiert damit auf die veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt: Hybrid Work, flexible Bürokonzepte und steigende Nachhaltigkeitserwartungen prägen derzeit den Objektmöbelmarkt. Die überarbeitete Produktlinie "Desks & Tables" richtet sich an Projektentwickler, Facility-Manager und Büroausstatter, die Arbeitsumgebungen für wechselnde Nutzungsszenarien planen.
Der Relaunch umfasst sowohl Einzelarbeitsplätze als auch Tischsysteme für Teamzonen. Haworth setzt dabei auf modulare Konstruktionen: Tischplatten, Gestelle und Kabelführungen lassen sich nach Herstellerangaben werkzeugfrei kombinieren und anpassen. Das soll vor allem bei Umstrukturierungen in Bestandsgebäuden Zeit sparen – ein Argument, das in Zeiten volatiler Flächenbedarfe an Gewicht gewinnt. Die Tischsysteme sind für offene Grundrisse ebenso ausgelegt wie für abgetrennte Fokuszonen, die im Zuge hybrider Arbeitsmodelle zunehmend nachgefragt werden.
Nachhaltigkeit spielt in der Produktstrategie eine zentrale Rolle. Haworth kommuniziert den Einsatz recycelter und recyclingfähiger Materialien sowie die Möglichkeit, Bauteile einzeln auszutauschen statt komplette Möbel zu ersetzen. Kreislauffähigkeit wird damit zum Verkaufsargument – ein Trend, der sich auch bei anderen Herstellern wie Vitra beobachten lässt. Für Zertifizierungen nach DGNB oder LEED können solche Produktmerkmale relevant sein, insbesondere bei Neubauprojekten mit hohen Nachhaltigkeitszielen.
Die Neupositionierung erfolgt in einem hart umkämpften Markt. Europäische und nordamerikanische Objektmöbelhersteller buhlen um Großaufträge in Büroimmobilien, Co-Working-Spaces und öffentlichen Verwaltungen. Haworth versucht sich durch Flexibilität und Kreislaufwirtschaft zu differenzieren. Ob das ausreicht, um Marktanteile gegenüber etablierten Wettbewerbern zu gewinnen, hängt auch von Preis und Lieferzeiten ab – Informationen, die der Hersteller bislang nicht öffentlich macht.
Für Architekten und Innenarchitekten bedeutet das erweiterte Sortiment eine zusätzliche Planungsoption bei der Ausstattung von Büroflächen. Besonders relevant dürfte die Modularität für Projekte sein, bei denen Grundriss-Änderungen im Lebenszyklus wahrscheinlich sind. Die Akustik spielt in offenen Bürolandschaften ebenfalls eine wichtige Rolle – hier bleibt abzuwarten, ob Haworth ergänzende Lösungen zur Raumakustik anbietet oder ob Planer auf Drittanbieter zurückgreifen müssen.
Der Produktrelaunch ist eingebettet in die breitere Diskussion um die Zukunft der Büroarbeit. Während manche Unternehmen Flächen reduzieren, investieren andere in hochwertigere Ausstattung, um Mitarbeiter ins Büro zu holen. Haworth positioniert sich mit dem aktualisierten Sortiment für beide Szenarien – eine Strategie, die Flexibilität verspricht, aber auch das Risiko birgt, kein klares Profil zu zeigen.